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Was tun gegen Einsamkeit – ein ehrlicher Blick auf das, was hilft
Einsamkeit ist häufiger, als die meisten denken, und sie hat wenig mit der Zahl der Kontakte zu tun. Was kurzfristig entlastet, was langfristig trägt, und wann es mehr braucht.
Über Einsamkeit spricht kaum jemand, obwohl sie weit verbreitet ist. In Befragungen in Deutschland gibt regelmäßig etwa jeder zehnte Erwachsene an, sich häufig einsam zu fühlen; bei jungen Erwachsenen und bei Menschen über achtzig liegen die Werte deutlich höher. Wer sich einsam fühlt, ist damit alles andere als allein – nur redet niemand darüber.
Allein sein und einsam sein sind zwei verschiedene Dinge
Man kann einen Samstag völlig allein verbringen und sich dabei ausgezeichnet fühlen. Und man kann in einem vollen Büro sitzen, den ganzen Tag reden und trotzdem einsam sein. Einsamkeit misst nicht die Anzahl der Menschen um einen herum, sondern den Abstand zwischen den Beziehungen, die man hat, und denen, die man bräuchte.
Das erklärt, warum der Rat „geh doch mal unter Leute" so selten wirkt. Mehr Kontakte allein schließen die Lücke nicht. Es geht um Kontakte einer bestimmten Art: solche, die wiederkehren, in denen man ehrlich sein darf und in denen man selbst gebraucht wird.
Was kurzfristig entlastet
An einem schlechten Abend hilft kein Lebensplan. Da hilft nur, den Abend kleiner zu machen. Ein paar Dinge, die verlässlich etwas verschieben:
- Raus, auch ohne Ziel. Zwanzig Minuten draußen wirken körperlich messbar anders als zwanzig Minuten Sofa – dafür braucht es keine Verabredung.
- Ein Ort mit anderen Menschen, ohne Verpflichtung: Bibliothek, Café, Schwimmbad, Park. Anwesenheit unter Fremden ist keine Gesellschaft, aber sie ist auch nicht nichts.
- Eine Nachricht an einen alten Kontakt, ohne Anlass. Zwei Sätze reichen. Die Antwortquote ist erfahrungsgemäß höher, als man befürchtet.
- Etwas mit den Händen. Kochen, aufräumen, reparieren. Das unterbricht das Kreisen, was Bildschirme meistens nicht schaffen.
Tipp: Was kurzfristig hilft, ersetzt nichts. Es sorgt nur dafür, dass ein Abend nicht die Woche mitreißt – das ist wenig, aber an manchen Tagen ist es genau das, was gebraucht wird.
Was auf Dauer trägt
Langfristig hilft nur eins: regelmäßige Begegnungen mit denselben Menschen. Das ist unspektakulär und unbequem, weil es Ausdauer braucht statt einer Entscheidung. Ein wöchentlicher Termin, an dem dieselben Gesichter auftauchen, verändert nach drei Monaten mehr als jede noch so gute Veranstaltung.
Ein zweiter Punkt wird oft übersehen: gebraucht zu werden. Wer eine Aufgabe hat – im Ehrenamt, in einer Gruppe, in der Nachbarschaft –, hat einen Grund zu kommen, der nicht davon abhängt, ob man sich an dem Tag gesellig fühlt. Und genau das trägt an den Tagen, an denen man sich nicht gesellig fühlt.
Der dritte Punkt ist der schwerste: Man muss aushalten, dass es sich am Anfang falsch anfühlt. Die ersten Male in einer neuen Gruppe sind unangenehm, für alle. Wer das als Beleg dafür nimmt, dass es nicht funktioniert, hört auf, kurz bevor es anfängt zu wirken.
Wann es mehr braucht als einen Plan
Einsamkeit kann in eine Depression übergehen, und sie kann Folge einer sein. Wenn über Wochen der Antrieb fehlt, wenn Schlaf und Appetit nicht mehr stimmen, wenn nichts mehr Freude macht oder Gedanken auftauchen, das eigene Leben zu beenden, dann ist das kein Fall für gute Ratschläge. Dann gehört das in fachliche Hände.
Erste Anlaufstellen in Deutschland: die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222, kostenfrei und rund um die Uhr, sowie 116 123 europaweit. Für die Suche nach einem Therapieplatz hilft die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung unter 116 117. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern der schnellste Weg zu jemandem, der sich damit auskennt.
Der realistische Anfang
Nicht alles auf einmal. Ein wiederkehrender Termin in der eigenen Umgebung, dreimal besucht, bevor man urteilt. Wenn er nicht passt, der nächste. Was zählt, ist nicht die richtige Wahl beim ersten Versuch, sondern dass überhaupt etwas im Kalender steht, das sich wiederholt.
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